TRITIUM IN DER MOSEL
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Kritik an radioaktiven Einleitungen in die Mosel.
Mehr radioaktive Stoffe als nötig gelangen in die Mosel.
Wachsende Bedenken gegen das AKW Cattenom:
Über 50 Punkte umfasst der Inspektionsbericht zum AKW Cattenom, den am Freitag Regierungsvertreter und Experten in Luxemburg diskutiert haben. Der Kraftwerksbetreiber EDF steht in der
Kritik.
Von SZ-Redakteur Patrick Griesser
Saarbrücken/Luxemburg. Das Atomkraftwerk Cattenom hat kein gutes Zwischenzeugnis erhalten. Der Beobachter des AKW-Stresstests, Dieter Majer, sagte am Freitagnachmittag der SZ: “Die Anlage macht
in meinen Augen keinen guten Eindruck.” Majer ist vom Saarland, Rheinland-Pfalz und Luxemburg beauftragt worden, den Stresstest im lothringischen Kraftwerk zu begleiten. Er war zuletzt Leiter der
Unterabteilung “Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen” im Bundesumweltministerium.
Am Freitag hatten Vertreter der Regierungen aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Lothringen und Luxemburg mit Majer über den weiteren Verlauf des Stresstests und einen Inspektionsbericht der
französischen Atomaufsichtsbehörde ASN (wir berichteten) zur Lage in Cattenom beraten. Die Inspektion war vor dem Hintergrund des Stresstests um Fragen etwa zur Erdbebensicherheit erweitert
worden. Nach Angaben von Majer erläuterte ein ASN-Vertreter den Bericht.
Zur Sprache kamen diverse Mängel: Problematisch sei beispielsweise, dass es keine klare Regelung gebe, was bei einem Erdbeben zu tun sei. Ebenfalls kritisch bewertete Majer, dass das Lager für
den Dieselkraftstoff der Notstromaggregate nicht ausreichend vor Grundwasser geschützt.
Die ASN habe diesen Punkt bereits vor einem Jahr angemahnt und sei nach der Inspektion Anfang August verärgert, weil das Problem nicht beseitigt worden sei.
Majer bemängelte ebenfalls, dass es keine Qualitätskontrolle für den Dieselkraftstoff gebe, der dann gebraucht wird, wenn die Stromzufuhr für die Kühlung des Kraftwerks ausfallen sollte und auf
Notstrom umgeschaltet werden muss. Unklar sei bislang, ob rostige und teils undichte Leitungen direkt zu einem inneren System des Kraftwerks gehören. Insgesamt finden sich in dem
Inspektionsbericht rund 50 Punkte, die am Freitag allerdings nicht alle diskutiert wurden, wie Majer erklärte. Die ASN habe berichtet, dass die Mängel in den kommenden drei Monaten behoben werden
sollen.
Kein Thema bei der Besprechung war der 390 Seiten starke Bericht des Kraftwerksbetreibers EDF mit der eigenen Bewertung des Kraftwerks. Er fließt in den eigentlichen Stresstest des Kraftwerks
ein, dessen Ergebnisse frühestens im Dezember vorliegen sollen.
Im Atomkraftwerk Cattenom mit seinen vier Blöcken werden deutlich mehr radioaktive Stoffe in die Mosel abgeleitet, als nach Stand von Wissenschaft und Technik erforderlich wäre.
Das sagte der Atomexperte Christian Küppers vom Öko-Institut Darmstadt bei einer Veranstaltung des Landkreises Merzig-Wadern in Merzig. Deutsche Kraftwerke würden wesentlich weniger radioaktive
Stoffe in Flüsse ablassen. Besonders vor Staustufen oder in ausgebaggertem Moselschlamm würden sich radioaktive Stoffe ansammeln, so der Experte. Es sei allerdings nicht klar, ob von diesen
Stellen eine Gesundheitsgefährdung ausgehe. Die strahlenden Sedimente erhöhten jedoch vermutlich das Krebsrisiko. Über am Moselufer angebaute Nahrung oder Fische aus dem Fluss könnten zudem
radioaktive Stoffe in den Körper gelangen.
Bei der Veranstaltung (24.09.2011) stellte der Experte Christian Küppers die Tritium - Messwerte des Jahres 2008 vor, also Werte die bereits seit drei Jahren feststehen. Auffällig ist auch, dass außer Tritium, C14 und andere Spalt- und Aktivierungsprodukte bewusst eingeleitet werden. Die vorgestellten hohen Messwerte stammen wurden in Koblenz gemessen und diesbezüglich müsste es logisch sein, dass die Werte im Saarland (Perl) um ein vielfaches höher sind als in Koblenz.
Wir fordern die saarländische Landesregierung dazu auf:
- den Druck auf die Betreiber EDF um ein vielfaches zu erhöhen,
- die aktuellen Ergebnisse (2008 - 2011) der Tritium - Messwerte bekannt zu geben,
- die Tritium - Messungen an der deutsch - französischen Grenze (Perl) vorzunehmen und zu veröffentlichen,
- die Folgen in der Nahrungskette (Fische) zu untersuchen und zu veröffentlichen.
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Abwasserreinigung in Cattenom veraltet
Das Kraftwerk Cattenom lässt mehr radioakitve Stoffe in die Mosel ab als vergleichbare deutsche AKWs.
Das war das Ergebnis einer Veranstaltung zu der der Atomexperte Christian Küppers im Landratsamt Merzig eingeladen war.
Von SZ-Redaktionsmitglied Florian Rech
Merzig. Wie gefährlich ist das französische Kernkraftwerk Cattenom. Wie stark belastet es die Umwelt in der Region? Über diese Themen haben am Donnerstagabend im Merziger Landratsamt auf Einladung des Landkreises Merzig-Wadern zwei Experten berichtet und über den Ausstoß von radioaktiven Stoffen in die Mosel und über den Stresstest im Atomkraftwerk (AKW) Cattenom referiert.
Christian Küppers, Atomexperte beim Öko-Institut Darmstadt, sprach über die Emissionen von radioaktivem Material in die Mosel: “In Cattenom fallen wie in anderen Atomkraftwerken verschiedene radioaktive Stoffe an, die gesammelt werden.” Diese Stoffe aus Lecks oder aus Reinigungssystemen würden dann völlig legal in die Mosel abgelassen. Radioaktive Isotope wie Tritium, Kohlenstoff 14, Cäsium 137 oder Kobalt 60 würden sich so über die Jahre verstärkt in den Sedimenten der Mosel ablagern. Im Vergleich zu deutschen Kernkraftwerken sei die Menge der abgelassenen radioaktiven Stoffe in Cattenom aber besonders hoch.
“Die Kraftwerksblöcke von Cattenom leiten deutlich mehr Radionuklide in die Mosel als nach Stand von Wissenschaft und Technik erforderlich”, sagte Küppers. Ungünstig sei ebenfalls, dass die Einleitung in einen Fluss mit vergleichsweise geringer Wasserführung erfolge.
Vor Staustufen oder an Stellen, an denen ausgebaggerter Moselschlamm abgelagert werde, sei die Konzentration radioaktiver Stoffe besonders hoch. Es sei allerdings nicht klar, ob von diesen Stellen eine Gesundheitsgefährdung ausgehe.
Die strahlenden Sedimente würden jedoch vermutlich das Krebsrisiko erhöhen. Würden jedoch landwirtschaftliche Flächen von der Mosel überschwemmt, könnten radioaktive Stoffe aber auch über die Nahrung in den Körper gelangen. Zudem würden sich strahlende Partikel in Mosel-Fischen anreichern.
Christian Miceli aus dem Referat für “Strahlenschutz und Eichwesen” des saarländischen Umweltministeriums erklärte die Einzelheiten des Stresstests im AKW Cattenom. Nach dem verheerenden Unfall in Kraftwerk Fukushima werden in Cattenom nun auch die Auswirkungen von Naturkatastrophen, wie Erdbeben oder Überschwemmungen, sowie von Ausfällen im Sicherheitssystem, wie Versagen des Kühlsystems oder Stromausfall, untersucht.
“Anders als in Deutschland sind in Frankreich aber nicht alle denkbaren Szenarien, wie zum Beispiel ein Terroranschlag, Teil des Stresstests”, sagt Miceli.